Die Tour–de–Ruhr 2015

Kunst, Kultur, Gemeinschaft und ein bisschen Netzwerken - das war das Ziel unserer Clubreise 2015. Mit dem Namen "Tour de Ruhr"  stand unser Ziel fest. Am Ende war es ein großartiges Erlebnis mit sehr viel Spaß!„Sekt?“, „Mini-Frikadellen – vegetarisch oder klassisch?“, „Käsehäppchen?“, „Brot?“, „Schokolade?“ – unser Busmenu ließ keine Wünsche offen, und es dauerte nach unser fast pünktlichen Abfahrt am Freitagmorgen und einer ersten Notpause bei den Dammer Bergen noch eine Weile, bis kurz einmal Ruhe eintrat.small-IMG 1486

Vor Erreichen unseres ersten Zieles, dem Unesco-Welterbe Zollverein in Essen, wurden wir von Hildegard Buck-Toye über die wichtigsten Eckdaten zur Zeche umfassend informiert: hier wurde nichts dem Zufall überlassen, die Organisation war von Hildegard mit Liebe ins Detail durchgeplant, kleine zeitliche Verschiebungen („wo ist eigentlich…?!“) mit Gelassenheit übergangen, notwendige Shopping-Zeiten wohlwollend berücksichtigt. Und das Wetter? Wenn Engel reisen, lacht der Himmel!small-IMG 1497
Beeindruckt von der herb-maroden Schönheit des Zechen-Geländes, der „postindustriellen Spontanvegetation“, die widersprüchlich zu der nüchtern-metallenen Architektur die ehemals harten Arbeitsbedingungen in lebendigem Grün überwucherte, wurden wir von unserem Busfahrer mit frisch aufgebrühtem Kaffee zurückerwartet, und weiter ging es zum Check-In in den Essener Hof.

 

Abends geplantes Treffen mit dem ZC Essen 1, deren Mitglieder allerdings leider größtenteils verhindert waren. Wir hörten eine hoch interessante Einführung in die Geschichte der Stadt Essen in Verknüpfung mit der Familie Krupp und dem Stahl und einen anekdotenreichen Rückblick auf die Gründungszeiten des ZC Essen 1 von zwei Gründungszontians, deren eine, Dr. Eva Heinrichs, nun schon lange bei uns dabei ist.

Die Verknüpfung Essen-Stahl-Krupp bekamen wir am Samstagmorgen nach einem bunten Frühstück live präsentiert: Margarethe Krupp ließ um 1908 die Gartenstadt Margarethenhöhe auf 50 ha konzipieren, in der zugänglich für alle Essener Bürger preisgünstiger Wohnmietraum geschaffen wurde mit hohem wohnkulturellen Standard als autarke Siedlung mit angrenzendem Naherholungsgebiet. Kontrastäre Eindrücke erhielten wir anschließend beim Besuch der Villa Hügel: das größte „Einfamilienhaus“ mit 4100qm Wohnfläche (so der Eintrag im Grundbuch der Stadt Essen) erdrückt den Besucher durch überbordende Maßlosigkeit: hier soll der Eindringling sich klein und unbedeutend fühlen, Machtverhältnisse brauchen nicht benannt zu werden, sie werden erlebt. Im nahe gelegenen Kettwig schlenderten wir befreit durch die Fachwerkgassen, genossen den Ausblick über die Altstadt und die Ruhr bei einem sonnigen Mittagessen.

Zurück entlang der Ruhr durch das immer wieder überraschend grüne Ruhrgebiet ins Hotel, die anschließende Freizeit wurde genutzt zu Regeneration, Stadtbummel oder Power-Shopping. Danach muss der Wettergott seine Meinung über uns geändert haben: es regnete in Strömen, als wir uns auf den Weg zum „Theater Stratmann´s“ machten: 1 x kabarett forte® „Pathologisch“ von und mit Dr. Stratmann. Der Saal tobte, wir in den ersten beiden Reihen voll dabei, anschließend Klagen über Muskelkater in der Zwerchfellgegend, dem kurzfristig nur durch Alkohol- und Kalorienzufuhr begegnet werden konnte. Wem das nicht reichte, setzte die Getränke- (überwiegend: Alkohol-) zufuhr wie am vorangegangenen Abend auch schon in der hoteleigenen Bar fort.
Am Sonntagmorgen –fast pünktlich! „wo ist eigentlich…?!“ s. o. – begann die Rückreise über Oberhausen mit der Besichtigung des Industriedenkmals Gasometer in Oberhausen: fertiggestellt 1929 mit 117 m Höhe (wir waren oben!) und knapp 68 m Durchmesser als Europas größter Scheibengas-behälter. 1994 zu Europas höchster Ausstellungshalle umgebaut, in der wir durch die Ausstellung „Der schöne Schein“ geführt wurden, einer Präsentation von qualitativ hochwertigen und übergroßen Nachbildungen weltberühmter Kunstwerke, deren Detailvielfalt und –präzision sich uns oft erst durch die Vergrößerung erschloss. Kurze Entspannung fanden wir unter der abgedunkelten ca. 100m hohen Kuppel liegend durch die Licht-Punkte-Klang-Installation „320° Licht“ der Bremer (!) Künstlergruppe URBANSCREEN, und weiter ging es zur Halde Hoheward. Obwohl es uns nach Hause zog, wir bereits voll von unterschiedlichsten Eindrücken waren, faszinierte uns der Obelisk als fast 9 m hoher Schattenzeiger auf die Horizontalsonnenuhr auf 3000 qm und dann vor allem das „imposante Kalenderbauwerk des 21. Jahrhunderts“: das Horizontobservatorium.

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Dank unserer beherzten Anführerin brachen wir in das eingezäunte Gelände ein, um aus der Nähe zu sehen, wo sich buchstäblich Himmel und Erde treffen, wo Sonnenwenden, Mondwenden und astronomische Jahreszeiten beobachtet werden können – Stunden hätten wir noch weiter zuhören wollen, wenn die Zeit nicht gedrängt hätte und: wir mussten noch dringend eine Curry-Wurst essen!!! Ein Stand mit Curry-Wurst selbstgemachter Curry-Soße (ein Muss im Pott!) wurde geplündert, Bilanz = 20 Curry-Würste und 4 1l-Flaschen Federweißer, eine spezielle Kombination, die jeder einmal gehabt haben sollte!

Ab in den Bus, bald schläfriges Rauschen und Flüstern, Ausstieg in Oldenburg und ein dickes Dankeschön an unsere Reiseleiterin Hildegard Buck-Toye, die uns „ihren“ Pott auf so wunderbare, bunte, abwechslungsreiche Weise ans Herz gelegt hat!